Füllen (1)

Füllen (1)

1. Füllen, verb. reg. act. voll machen. 1. Eigentlich. Ein Gefäß füllen. Einen Graben mit Erde füllen, ausfüllen. Die hohlen Wege mit Steinen füllen, ausfüllen. Ein Kissen mit Federn füllen. Die Säcke mit Getreide füllen, 1 Mos. 42, 25. Den Bauch füllen, Ps. 17, 14; verächtlich, für sättigen, satt machen; ingleichen unmäßig essen. Einen Schwamm mit Essig füllen, Matth. 27, 48.


So will ich, meinen Durst zu stillen,

Den Reisesack mit solchen Früchten füllen,

Gell.


In den Küchen bedeutet füllen ausgenommene Thiere, ausgehöhlte Früchte mit gehackten Speisen voll stopfen. Gefülltes Kraut, eine gefüllte Gans. Gefüllte Blumen, in den Gärten, welche vervielfältigte Blumenblätter haben; im Gegensatze der einfachen. Du sollt sie (die Söhne Aarons) salben, und ihre Hände füllen (nehmlich mit Opfern) und sie weihen, 2 Mos. 28, 41. S. Fülle 2 und Füllopfer.

Ungewöhnliche Arten des Ausdruckes sind: Füllet die Erde, 1 Mos. 1, 28, verbreitet euch über dieselbe. Da kam ein Gewässer – und füllte das Land mit Wasser, 2 Kön. 3, 20, überschwemmte es. Die Kaufleute zu Zidon, die durch das Meer zogen, fülleten dich, Es. 23, 2, bereicherten dich; und andere Stellen mehr. Wohl aber gebraucht man es in der höhern Schreibart für anfüllen, ausfüllen. Die Herrlichkeit des Herrn füllete die Wohnung, 2 Mos. 40, 34. So bald der Speer der schrecklichen Minerva seine Rechte füllte, Raml.


Ein gut Gewissen füllt

Die Seele stets mit Muth,

Weiße.


2. Wenn sich dieses Verbum auf denjenigen Körper beziehet, mit welchem ein anderer gefüllet wird, so verlieret sich oft der Begriff der Fülle, und es bezeichnet alsdann bloß schöpfen, besonders von flüssigen Körpern. Wasser in die Flasche füllen Drey Maß aus dem Fasse füllen. Vornehmlich, wenn solches mit einem Löffel, oder ähnlichen Gefäße geschiehet. Erz, Kohlen, Sand in einen Kübel füllen. Das Bier füllen, neu gebrauetes Bier aus dem Gährbottich in Fässer bringen. Federn in ein Küssen füllen.

Daher die Füllung hernach besonders.

Anm. Dieses Wort lautet in der ersten Bedeutung schon bey dem Ulphilas fulljan, bey dem Kero fullen, im Isidor fullan, im Angels. fyllan, im Nieders. vullen, im Isländ. fylla, im Engl, to fill. im Dän. fylde. Ottfried gebraucht es mit der zweyten Endung des Hauptwortes: Ni fullit er sih uuines, für mit Wein, B. 1, Kap. 4, V. 69. Das Griech. βυλλος, confertus, βυλλουν, anfüllen, πλεος und πολυς, viel, das Lat. plenus und plere, das Böhm. plny, und Pohln. pilny, voll, sind genau damit verwandt. S. Voll. Sollte es in der zweyten Bedeutung, wo der Begriff des Wortes voll ganz verschwindet, nicht vielmehr ein besonderes Wort seyn, welches eher zu Vola, die flache Hand, und fühlen, leicht mit der Hand berühren, Angels. pullian, gehöret? S. Fühlen Anm.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Füllen — (s. ⇨ Fohlen). 1. Auss den kletterigen Füllen werden die schönsten Hengst. – Henisch, 1284, 59; Petri, II, 27. Frz.: De poulain roigneux ou farcineux vient beau cheval et précieux. (Leroux, I, 127.) 2. Breck dem Fülle nich dat Kriez entwei.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Füllen — bezeichnet: ein junges Pferd, siehe Fohlen das Sternbild Füllen (Sternbild) das Befüllen von Behältern, Gebinden, Flaschen usw., siehe Abfüllen das Fügeverfahren Füllen nach DIN 8593, siehe Füllen (Technik) in der Medizin das Ausgießen von… …   Deutsch Wikipedia

  • Fullen — steht für Stadtteile von Meppen im Emsland, Niedersachsen: Groß Fullen Klein Fullen Fullen ist der Familienname folgender Personen: Statz Friedrich von Fullen (1638–1703), königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Geheimer Kriegsrat …   Deutsch Wikipedia

  • füllen — Vsw std. (8. Jh.), mhd. vüllen, ahd. fullen, as. fullian Stammwort. Aus g. * full ija Vsw. füllen , auch in gt. fulljan, anord. fylla, ae. fyllan, afr. fella; Faktitivum zu voll, also eigentlich voll machen .    Ebenso nndl. vullen, ne. fill,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • füllen — füllen: Das gemeingerm. Bewirkungswort zu ↑ voll lautet mhd. vüllen, ahd. fullen, fulljan, got. fulljan, engl. to fill, schwed. fylla. Die Grundbedeutung ist »vollmachen«. Zu »füllen« stellen sich im Dt. die zusammengesetzten Verben »ab , an ,… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Füllen — Füllen, ein junges Pferd, s.d …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Füllen [1] — Füllen (Equuleus), Sternbild des nördlichen Himmels. Vgl. Textbeilage zum Artikel »Fixsterne« …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Füllen [2] — Füllen (Fohlen), das junge Pferd …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Füllen — Füllen, diejenige in der Papierfabrikation mit dem sogenannten Ganzzeug (s.d.) vorgenommene Arbeit, durch die diese Papierfasermasse mit sehr fein gepulverten weißen Materialien, wie z.B. Kaolin, Gips, Schwerspat u.s.w., vermischt wird, teils um… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Füllen — Füllen, junges Pferd, s. Fohlen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Füllen — Sn Fohlen std. reg. (9. Jh.), mhd. vülī(n), vül(n), vüle, ahd. fulī(n), mndl. vœlen Stammwort. Ist eine Diminutivbildung zu Fohlen. Ähnliche Ableitungen sind anord. fyl (*ful ja ) und mhd. vülhe f., ahd. fulihha f. weibliches Fohlen .    Ebenso… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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