Glauben

Glauben

Glauben, verb. reg. act. etwas für wahr halten. 1. In der weitesten Bedeutung dieses Ausdruckes, ohne Beziehung auf die Gründe, warum man etwas für wahr hält, im Gegensatze des Zweifels und der Verneinung, und mit der vierten Endung des Nennwortes. Einen Gott glauben, dem Satze, daß ein Gott sey, überhaupt Beyfall geben, ohne zu wissen warum. Es gibt immer noch Leute, welche Hexen und Gespenster glauben. Im gemeinen Leben auch mit dem Vorworte an, an Hexen und Gespenster glauben. Er muß daran glauben, sagt man im gemeinen Leben figürlich von jemanden, der einer unvermeidlichen Sache nicht entgehen kann. Ehedem glaubte man, daß sich die Sonne um die Erde bewege. Etwas für gewiß glauben, fest davon überzeugt seyn. Das glaub ich, wenn wir allen helfen könnten, dann wären wir zu beneiden, Less.

2. In engerer Bedeutung, mit verschiedenen Nebenbegriffen und Einschränkungen.

1) Mit dem Nebenbegriffe des Ungrundes, für, sich einbilden. Bav glaubt, daß er ein vortrefflicher Dichter sey. Glaubest du etwa, daß du länger blühen wirst, als einen Frühling? Bey den Dichtern zuweilen auch als ein Reciprocum mit der vierten Endung der Sache. Daß Mops sich einen Dichter glaubt, Cron.

2) Mit dem Nebenbegriffe der wahrscheinlichen Gründe, für vermuthen. Ich glaube, er wird nicht kommen, oder ich glaube nicht, daß er kommen wird. Ich habe es lange geglaubt, daß Greif der Dieb ist. Wer hätte das glauben sollen, daß dein Bruder so aus der Art schlagen würde? Er hatte sie, glaub ich, gestern gesehen, d.i. wie ich glaube, oder vermuthe. Sich sicher glauben, glauben, daß man sicher sey.

3) Am häufigsten, einem Satze um des Zeugnisses eines andern willen Beyfall geben; zum Unterschiede von dem Wissen und der Überzeugung. (a) Eigentlich, mit der dritten Endung der Person und der vierten der Sache. Das kann ich unmöglich glauben. Ich glaube dir diesen Umstand gerne. Star hat schon so oft Unwahrheiten gesagt, daß man ihm nicht mehr glauben kann. Man kann seinen Worten nicht glauben. Glauben sie meinen Schwüren nicht? wo die Sache anstatt der Person in der dritten Endung stehet. Ich will es ihnen auf ihr Wort glauben. Das glaub ich in Ewigkeit nicht. Es ist zu glauben. Ich wills glauben. Im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung der Sache. Thes gilaube man mir, Ottfr. Er sündet, swer des nicht geloubet, Kaiser Heinrich. (b) In engerer Bedeutung. (1) Im Handel und Wandel, eines Zusagen glauben, und ihm um deßwillen etwas anvertrauen; in welcher Bedeutung es doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Einem Waaren glauben, d.i. auf Credit geben. (2) In der Theologie, einen Satz auf das Zeugniß Gottes für wahr halten. Ingleichen mit dem Vorworte an, zu jemanden glauben, die Besserung seines Zustandes von ihm erwarten, um des Zeugnisses anderer willen. An Gott glauben, Gutes von ihm um seiner Versicherung willen erwarten; wo dieses Wort so wohl absolute und allein, als auch mit dem Vorworte an unter eben so vielen Einschränkungen üblich ist, als das Hauptwort Glaube, und in der Deutschen Bibel oft die ganze übernatürliche Fertigkeit der rechtmäßigen Veränderungen in sich begreift.

Anm. In dem Isidor lautet dieses Verbum chilauban, in dem alten Glaubensbekenntnisse aus dem achten Jahrh. gelobon, bey dem Ottfried giloubon, bey dem Kero kilauban, im Angels. gelyfan, geleawan, im Engl. to believe; woraus zugleich erhellet, daß das g nicht zum Stammworte gehöret, sondern aus der Vorsylbe ge zusammen gezogen worden. Man findet auch wirklich nur louuen für glauben, und die Niedersachsen sagen noch jetzt nur löven. Es gehöret zu dem alten Worte Laf, Lob, Laub, die Hand, von welchem Worte lauben, loben, so wohl active mit einem Handschlage versprechen, und hernach versprechen überhaupt, (S. Glaube I.) als auch intransitive, ein solches Versprechen annehmen, und in weiterer Bedeutung, einen Satz für wahr halten, bedeutete. Daher der noch im Handel und Wandel einiger Gegenden übliche Gebrauch dieses Zeitwortes die erste eigentliche Bedeutung zu seyn scheinet. S. auch Erlauben, Geloben, Liefern und Urlaub. Gläuben für glauben ist eine im Hochdeutschen veraltete Form, welche im theologischen Verstande in der Deutschen Bibel häufig vorkommt, und von einigen Geistlichen aus bloßer Nachahmung beybehalten wird.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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