Pforte, die

Pforte, die

Die Pforte, plur. die -n, Diminut. das Pförtchen, Oberd. Pförtlein, die Öffnung, durch welche man aus- oder eingehet. 1) Im engsten Verstande, die Öffnung an einem Gebäude, durch welche man aus- und eingehet, wo es eigentlich eine allgemeine Benennung ist, welche alle besondere Arten unter sich begreift. Am Niederrheine und in einigen Oberdeutschen Gegenden werden auch noch jetzt alle Thore und Thüren mit dem Nahmen der Pforten belegt. Gehet ein durch die enge Pforte, denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammniß führet, Matth. 7, 13. Im Hochdeutschen hingegen führen in dem gemeinen Sprachgebrauche nur kleinere Thore oder Thüren neben den größern, Nebenthore oder Nebenthüren, den Nahmen der Pforten oder Pförtchen. So ist in den Städten die Pforte oder das Pförtchen ein kleineres Nebenthor für Fußgänger. Auch in den Gärten, neben den Thorwegen, in den Häusern u.s.f. hat man zuweilen solche Pforten. In der höhern und dichterischen Schreibart hingegen wird es noch häufig auch von großen und prächtigen Thoren oder Thüren gebraucht, welche Bedeutung auch in dem zusammen gesetzten Ehrenpforte Statt findet. Die Pforten am Pallaste, Nehem. 2, 8. 2) In weiterer Bedeutung, ein jeder Ort, durch welchen man zu einem andern gelanget. So wurden die Pässe oder Clausen, d.i. die engen und hohlen Wege aus einem Lande in das andere, ehedem häufig Pforten genannt. Ein Hafen hieß ehedem eine Meerpforte. In der Deutschen Bibel kommen auch die figürlichen Ausdrücke die Pforte des Grabes, des Himmels, der Hölle vor. Jetzt ist es in dieser weitern Bedeutung noch in dem zusammen gesetzten Stückpforte oder Geschützpforte am üblichsten, die mit einer Klappe verschlossenen Öffnungen am Schiffe zu bezeichnen, in welchen die Kanonen mit ihren Mündungen liegen. S. Pfortader. 3) Figürlich, doch nur in dem Ausdrucke die Ottomannische Pforte, worunter eigentlich der Pallast des Türkischen Kaisers, dann dessen Hof, oder der Türkische Kaiser mit seinen vornehmsten Hof- und Staatsbedienten, und endlich auch das ganze Türkische Reich verstanden wird, und wofür man auch nur schlechthin die Pforte sagt. Die Groß-Sultane legen sich und ihrem Hofe diese Benennung in allen ihren Ausfertigungen mit allerley schwülstigen Beywörtern, z.B. der glänzenden, der erhabenen Pforte u.s.f. selbst bey, worauf sie auch in den meisten Europäischen Sprachen beybehalten worden. Der Ursprung ist noch ungewiß. Herbelot behauptet zwar, Pforte bedeute bey allen Morgenländern den Hof eines Fürsten, welches doch andere nur allein von Persien zugeben, von welchem Reiche es schon im Daniel und Xenophon vorkommt. Indessen ist es wohl gewiß, daß die Figur von der Pforte oder dem Thore des Pallastes entlehnet worden, zumahl da in den ältern Zeiten in den Morgenländern alle wichtige Staats- und Gerichtsgeschäfte öffentlich in den Thoren verhandelt wurden, wie in einigen Gegenden noch üblich ist.

Anm. Dieses Wort lautet schon im Isidor Porta, im Tatian Phorta, und bey dem Notker Porto, im Nieders. Poorte, im Schwed. Port, im Franz. Porte. Es kommt mit dem Lat. Porta genau überein, ohne eben von demselben abzustammen, indem es entweder den allgemeinen Begriff der Öffnung hat, und alsdann ein Verwandter von bohren, Börse, Sporta u.s.f. ist, oder auch von fahren, in dessen weitesten Bedeutung, abstammet, und einen Ort bezeichnet, durch welchen man fähret, d.i. sich beweget. Wenn es, dem Frisch zu Folge, an einigen Orten das Gefängniß bedeutet, so wird damit wohl auf den noch in vielen Städten üblichen Gebrauch gesehen, die Gefängnisse über den Stadtpforten oder Thoren anzulegen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

Игры ⚽ Нужен реферат?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Pforte — bezeichnet Architektur: ein Tor der Pforten und Gästebereich eines Klosters Heilige Pforte, Kirchbau Goldene Pforte Portal im Freiberger Dom (um 1230) Geografie: die Böhmische Pforte, Elbdurchbruch durch das Böhmische Mittelgebirge die Brucker… …   Deutsch Wikipedia

  • Die Pforte des Magiers — Die Bartimäus Trilogie ist eine Buchreihe des Fantasyautors Jonathan Stroud. Die fiktiven Hauptpersonen sind der Dschinn Bartimäus und der junge Zauberlehrling Nathanael, der im Laufe der Trilogie zu einem sehr fähigen Magier wird. Die drei Bände …   Deutsch Wikipedia

  • Die enge Pforte — ist ein Roman von André Gide, der 1909 unter dem Titel „La Porte étroite“ in der Literaturzeitschrift Mercure de France in Paris erschien.[1] Jérôme erzählt die Geschichte seiner unglücklichen Liebe zu Alissa Bucolin. Inhaltsverzeichnis 1 Zeit… …   Deutsch Wikipedia

  • Die DR3i — DiE DR3i (gesprochen: Die Drei) war eine Hörspielserie, die auf der US amerikanischen Jugendbuchserie The Three Investigators von Robert Arthur sowie Die drei ??? basierte. Die Schreibweise „DiE DR3i“ scheint eine Anspielung auf das in den USA… …   Deutsch Wikipedia

  • Die Dr3i — DiE DR3i (gesprochen: Die Drei) war eine Hörspielserie, die auf der US amerikanischen Jugendbuchserie The Three Investigators von Robert Arthur sowie Die drei ??? basierte. Die Schreibweise „DiE DR3i“ scheint eine Anspielung auf das in den USA… …   Deutsch Wikipedia

  • Die Drei (Hörspielserie) — DiE DR3i (gesprochen: Die Drei) war eine Hörspielserie, die auf der US amerikanischen Jugendbuchserie The Three Investigators von Robert Arthur sowie Die drei ??? basierte. Die Schreibweise „DiE DR3i“ scheint eine Anspielung auf das in den USA… …   Deutsch Wikipedia

  • Pforte — Pforte, 1) Eingang, Thor u. Thüre; bes. 2) ein kleines Thor, ein Nebenthor für Fußgänger, welches in größeren Thoren angebracht ist; 3) (Ottomanische P.), s. Hohe Pforte; 4) so v.w. Paß, s. u. Alpen 2); 5) Vorrichtung, Neunaugen zu fangen;… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Die Falschmünzer — (frz. Les Faux Monnayeurs) ist ein Roman von André Gide und erschien 1925. Inhaltsverzeichnis 1 Inhalt 1.1 Haupthandlungsstrang 1.2 Nebengeschichten 2 …   Deutsch Wikipedia

  • Kilikische Pforte — Die türkische Autobahn O21 (Europastraße 90) am Eingang der Kilikischen Pforte. Die Kilikische Pforte (türkisch Gülek Boğazı) ist die wichtigste Verbindung zwischen Kilikien und Mittelmeer und dem Hochland von Anatolien. Die Pforte schlägt… …   Deutsch Wikipedia

  • Die Schlafende — Illustration durch Hugh Noel. Herausgegeben 1900.[1] Gesprochene Version Die Schlafe …   Deutsch Wikipedia

  • Die 9 Pforten — Filmdaten Deutscher Titel: Die neun Pforten Originaltitel: The Ninth Gate Produktionsland: Spanien, Frankreich, USA Erscheinungsjahr: 1999 Länge: 128 Minuten Originalsprache …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”