Besinnen

Besinnen

Besinnen, verb. reg. recipr. Imperf. ich besann mich; Partic. besonnen. 1) Sich erinnern. Ich besinne mich nicht, daß ich es gesehen hätte. Ich besinne mich, es dir versprochen zu haben. Ingleichen mit dem Vorworte auf. Ich kann mich nicht darauf besinnen. Ich werde mich wohl noch darauf besinnen.


Besinnst du dich denn nicht auf unsre Mariane?

Günth.


Im Oberdeutschen wird dieses Wort sehr häufig mit der zweyten Endung der Sache gebraucht. Sich seiner Jugend besinnen. Besinne dich der vorigen Jahre.


Als Vater Zevs –

Sich glücklich einer List besann,

Wiel.


Allein im Hochdeutschen ist dafür erinnern oder entsinnen doch immer üblicher. 2) Mühe anwenden, sich einer Sache zu erinnern, sich bemühen, einen dunkeln Gedanken von etwas Vergangenen klar zu machen. Ich besinne mich hin und her. Ich habe mich schon lange darauf besonnen. 3) Überlegen, im gemeinen Leben und absolute. Ich will mich besinnen. Du besinnst dich immer gar zu lange. Im Oberdeutschen sagt man sinnst dich immer gar zu lange. Im Oberdeutschen sagt man auch mit der vierten Endung der Sache. Ich habe es mir nicht recht besonnen. Besinne es dir wohl. 4) Sich nach vorhergegangener Überlegung entschließen, in einigen Fällen. Haben sie sich besonnen? entschlossen. Sich eines bessern besinnen, einen bessern Entschluß fassen. Vielleicht besinnt sie sich anders. Er wird sich wohl noch eines andern (d.i. bessern) besinnen. 5) Zu seinen Sinnen, d.i. in den Zustand deutlicher Begriffe, wieder zurück kehren. Besinnen sie sich doch, sagt man zu einem, der in einer heftigen Leidenschaft, im Schlafe, in einem starken Rausche u.s.f. ist. Und als er sich besinnte, (besann,) Apostlg. 12, 12, als er zu sich selber kam. Er kann sich nicht besinnen, nicht wieder zu sich selbst kommen. Daher die Besinnung, besonders in der letzten Bedeutung, welche von Besonnenheit noch verschieden ist; die Besinnungskraft, das Vermögen sich zu besinnen, oder dunkele Vorstellungen klar und deutlich zu machen, welches dem neuern Besonnenheit billig vorzuziehen ist. S. dasselbe.

Anm. Dieses Wort ist von Sinn und sinnen, welches ehedem alle Wirkungen der Seele ausdruckte. Im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutungen von besinnen sind, (a) über etwas nachdenken. Indem aber Petrus sich besinnt über dem Gesichte, Apostelg. 10, 19. (b) Erwägen, im Oberdeutschen. Sich das Unglück besinnen. (c) Ersinnen.


So fer ich noch ains khan besynnen,

Theuerd. Kap. 70.


(d) Das Mittelwort besonnen, oder besinnt, ist im Oberdeutschen auch für behutsam, verständig üblich; S. Besonnenheit und Unbesonnen. Besinnen gehet in einigen Oberdeutschen Gegenden auch regulär, welches auch Luther in den oben angeführten Stellen nachgeahmet hat. Die Niedersachsen gebrauchen für besinnen, besonders in der ersten Bedeutung, versinnen, welches nicht so veraltet ist, als Frisch behauptet. Übrigens hatte man hiervon ehedem auch das Factitivum besinnigen, zum Besinnen, Verstehen, Erkennen bringen, wovon Frisch ein Beyspiel aus Menkens Script. Saxon. anführet.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • besinnen — besinnen, besinnlich, Besinnung ↑ sinnen …   Das Herkunftswörterbuch

  • besinnen — be|sin|nen [bə zɪnən], besann, besonnen <+ sich>: 1. überlegen: er besann sich eine Weile, ehe er antwortete. Syn.: sich ↑ bedenken, ↑ grübeln, ↑ nachdenken, ↑ reflektieren (geh.), sich Gedanken machen, ↑ sinnen (geh.), ↑ …   Universal-Lexikon

  • Besinnen — 1. Besinne dich erst, was deine Schultern tragen können! 2. Besinnen bringt ersinnen. – Körte, 505. 3. Besinnen ist das Beste am Menschen. – Goldschmidt, 156; Körte, 507. Lat.: Vide quid agas (prima coitio est acerrima). (Terenz.) (Wiegand, 339.) …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • besinnen — be·sịn·nen, sich; besann sich, hat sich besonnen; [Vr] 1 sich besinnen geschr; seine Gedanken intensiv auf ein Problem konzentrieren ≈ überlegen, nachdenken <sich einen Augenblick, kurz, eine Weile besinnen>: Er fällte die Entscheidung,… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • besinnen — bedenken, denken, durchdenken, sich Gedanken machen, grübeln, nachdenken, sinnieren, überdenken, überlegen; (geh.): nachsinnen, sinnen; (bildungsspr.): reflektieren. sich besinnen 1. sich bedenken, denken, sich Gedanken machen, grübeln,… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • besinnen — be|sịn|nen, sich {{link}}K 77{{/link}}: sich eines and[e]ren, andern besinnen, aber {{link}}K 72{{/link}} sich eines Besseren, Bessren besinnen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • besinnen — besinnenv 1.sichbesinnen=eineStrafstundeverbüßen.Spottwort.Schül1950ff. 2.sichaufsichselbstbesinnen=einschlafen.1910ff. 3.diebesinntsichnoch=vielleichtfälltderwackelndeKegelnoch.Keglerspr.1900ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • besinnen, sich — sich besinnen V. (Mittelstufe) über etw. nachdenken, etw. überlegen Beispiele: Ich muss mich erst einmal besinnen. Sie haben sich anders besonnen. sich besinnen V. (Oberstufe) eine Erinnerung im Gedächtnis behalten, sich an etw. erinnern Synonyme …   Extremes Deutsch

  • besinnen (sich) — besenne (sich) …   Kölsch Dialekt Lexikon

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