Geitz (3), der

Geitz (3), der

3. Der Geitz, des -es, plur. car. 1) * Überhaupt eine jede unordentliche und heftige Begierde. Mordgeitig, mordgierig, in einem alten Gedichte in Eccards Script. Th. 2. In einer Oberdeutschen Urkunde von 1479 kommt der Heißhunger unter der Benennung des Geitzes vor, und bey dem Winsbeck und andern Dichtern seines Jahrhunderts ist Gite und Gitikeit eine jede heftige Begierde, Gierigkeit. Im Hochdeutschen ist es in dieser allgemeinern Bedeutung veraltet. 2) In engerer Bedeutung, die unordentliche Begierde, mehr zu haben, als man bedarf. Der Ehrgeitz, die unordentliche Begierde nach Ehre. Der Geldgeitz, nach Gelde, und in weiterer Bedeutung nach Eigenthum, welche Begierde Kaiserberg richtiger den Gutgeitz nennet. Außer den bereits angeführten Zusammensetzungen wird es im Hochdeutschen in dieser Bedeutung nur zuweilen in der höhern Schreibart gebraucht. Der Geitz nach Siegen, Gell. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die unordentliche Begierde seyn Eigenthum zu vermehren, und die Fertigkeit derselben. Dem Geitze ergeben seyn, dem Geitze nachhängen. Vom Geitze besessen seyn. Etwas aus Geitz thun. Die biblischen R.A. sich zum Geitze neigen, den Geitz treiben, den Geitz stellen, demselben ergeben seyn, mit Geitz durchtrieben seyn u.s.f. sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. Genauigkeit, Eigennutz, Geitz, Kargheit, Filzigkeit, Habsucht u.s.f. werden im gemeinen Leben häufig für einander gebraucht, ob sie gleich eigentlich genau verschieden sind. S. diese Wörter.

Anm. Geitz druckt, wie schon gesagt worden, eigentlich eine jede heftige Begierde aus. Viele ältere und neuere Mundarten kennen statt des tz nur ein t ohne Zischlaut. Dergleichen ist das alte Oberdeutsche Gite, Gitikeit, noch im 15ten Jahrhunderte Geyttigkeit, wofür Hans Sachs Geitzigkeit gebraucht, das Gothische bigitan, erwerben, das Dän. gide, verlangen. Es gehöret zu dem Geschlechte des Wortes gehren, begehren, und Gier. Frisch rechnet auch das Lat. hio, hieto, und das Griech. χαω, χατεω, hierher. Im Lettischen ist geidziu ich begehre, und geidulis gierig. Kero nennet den Geitz in der dritten Bedeutung Nefkiri, Ottfried Giri, Notker Frecchi, Frechheit, Kaisersberg aber den Grit, die Grittigkeit, die Holländer Gretigheyd, welches gleichfalls aus Gier gebildet ist.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Geitz (1), der — 1. Der Geitz, des es, plur. die e, in der Landwirthschaft Ober und Niederdeutschlandes, ein Benennung verschiedener Auswüchse des Pflanzenreiches. Besonders der an den Spitzen der fruchtbaren Zweige zwischen den Stielen der Blätter des… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Geitz (2), der — 2. Der Geitz, des es, plur. inus. bey den Schäfern und Jägern einiger Gegenden, eine schwarze stinkende Salbe, womit man den Hunden die Räude zu vertreiben pfleget …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Geitz — Karl Geitz Karl Geitz (* 10. Oktober 1913; † 27. September 2008) [1] war ein deutscher Uhrmacher, Fachlehrer und Namensgeber der Hessischen Uhrmacherschule (HUS) Leben und Werk Nach seiner Lehrzeit als Uhrmacher …   Deutsch Wikipedia

  • Ehrgeitz, der — Der Ehrgeitz, des es, plur. car. der Geitz, d.i. die unerlaubte heftige Begierde nach Ehre, die Begierde, mehr Ehre zu erlangen, als man verdienet. Viel Ehrgeitz besitzen. Der Ehrgeitz beherrscht seine ganze Seele. S. Geitz, ingleichen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Geldgeitz, der — Der Gêldgeitz, des es, plur. car. der Geitz, d.i. unordentliche Begierde, Geld, und in weiterer Bedeutung auch Reichthum zu erwerben, S. 3 Geitz …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Nahme, der — Der Nahme, des ns, dem n, plur. die n, ein Wort oder Ausdruck, welcher diejenigen Merkmahle eines Dinges enthält, woran dasselbe in allen Fällen erkannt wird, ein symbolisches Unterscheidungs oder Erkenntnißzeichen eines Dinges. 1. Eigentlich. 1) …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Neid, der — Der Neid, des es, plur. car. das anhaltende Mißvergnügen über die Wohlfahrt und die Vorzüge anderer, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit, anderer Wohlfahrt und Vorzügen auf eine anhaltende Art ungern zu sehen; die Mißgunst, von welcher der… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Deckmantel, der — Der Dêckmantel, des s, plur. die mäntel, eigentlich, ein Mantel, der zur Bedeckung dienet, in welcher Bedeutung es aber nicht üblich ist. Figürlich, der scheinbare Vorwand einer bösen Handlung. Jemanden unter dem Deckmantel der Freundschaft… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Hecht, der — Der Hêcht, des es, plur. die e, Diminut. das Hechtchen, Oberd. Hechtlein, ein sehr gefräßiger Raubfisch in süßen Wassern, mit einem langen, oben flachen Kopfe und scharfen Zähnen; Esox Lucius L. Frischer oder grüner Hecht, im Gegensatze des… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Geitzhals, der — Der Geitzhals, des es, plur. die hälse, im gemeinen Leben, eine verächtliche Benennung eines geitzigen Menschen. Im Angels. Gytsere, im Nieders. Gitzer, Gieznauer, Gier, Giersmage, im Schwed. Girigbuk. In den gemeinen Sprecharten hat man eine… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”